Robert Koch entdeckte 1882 das Tuberkulosebakterium und 1883 das Cholerabakterium. Der Franzose Albert Léon Charles Calmette entwickelte später eine Schutzimpfung gegen Tuberkulose. Louis Pasteur entwickelte die Schutzimpfung gegen Tollwut und das Bakterienabtötungsverfahren (Pasteurisieren). Paul Ehrlich, der einige Jahre unter Koch arbeitet, machte sich um die Immunitätslehre und die Entwicklung der Chemotherapie verdient. Emil Adolph von Behring entwickelte ein Heilserum gegen Diphterie. Rudolf Virchow begründete die Zellularpathologie. Der Brite Alexander Flemming entdeckte das Penicillin, sein Landsmann Joseph Lister entwickelte die aseptische Wundheilbehandlung und Edward Jenner führte bereits 1798 die erste Pockenschutzimpfung ein.
Flemmings Penicillin rettete ungezählten britischen und allierten Streitkräften im Zweiten Weltkrieg das Leben und Kochs Entdeckungen sowie Calmettes Impfstoff halfen beispielsweise, die peinigenden Krankheiten Tbc und Cholera zu bekämpfen. Viele der Forscher erhielten Nobelpreise, nachdem dieser gestiftet worden war, und weitere Mediziner, Chemiker und Pharmakologen ebenso. Nahezu alle ließen ihre Entdeckungen und Entwicklungen patentierten. Sie gründeten Firmen (Behring) und nach ihnen wurden Institute benannt (Koch, Ehrlich, Pasteur), Heilstätten und Kliniken (Virchow).
Jonas Edward Salk
Was etwa Flemming mit der Entdeckung des Penicillins bewirkte, schaffte der Amerikaner Jonas Edward Salk ebenfalls. Salk begann seine Forschungen an der Entwicklung gegen das Poliomyelitis-Virus, das die Kinderlähmung auslöste, 1947 als Institusdirektor an der School of Medicine der University of Pittsburg, wo er ein karg ausgestattetes Labor vorfand. Nachdem er in Harry Weaver einen gut vernetzten Unterstützer gefunden hatte, konnte er das Labor vergrößern und Forscherkollegen anstellen. Von den ebenfalls in Pittsburg ansässigen Mellons, die ihr Vermögen in verschiedenen Branchen gemacht hatten, flossen im Laufe der Jahre zusätzliche Forschungsgelder. Erste Tests an Kindern, auch an seinen eigenen, unternahm er nach Abschluss zuvor erfolgter und erfolgreicher Tierversuche, wobei er noch auf einen abgeschwächten Lebend-Impfstoff setzte.
Dann ging er über zu einem Tot-Impfstoff und im April 1955 verkündete er auch hier einen Durchbruch gegen die tückische Kinderlähmung, nachdem Impfungen an mehr als eine Million Kinder verabreicht worden waren. Alsdann legte er einen für die Forscherbranche eher untypischen Altruismus an den Tag, indem er auf eine Patentierung verzichtete, wie er dem TV-Moderator Ed Murrow verriet, der ihn gefragt hatte, wem das Patent gehöre. „Well, the people I would say. There is no patent. Could you patent the sun?“ Dadurch konnte der Impfstoff preiswert hergestellt werden, was vor allem Entwicklungsländern zugute kam. Dazu zählte zu Mao Zedongs Zeiten insbesondere China und der gesamte afrikanische Kontinent. Auch die Schwellen- und die Industrieländer profitierten. Zunächst erfolgte die Verabreichung per Impfpistole oder Spritze, doch die jüngere Boomer-Generation Deutschlands dürfte sich noch an die Impfkampagnen ab den frühen 1960er Jahren erinnern, als es hieß: „Kinderlähmung ist grausam, Schluckimpfung ist süß.“
Horden von Schülern waren durch Impfbusse geschleust worden, nachdem der Amerikaner Albert Sabin auf Basis von Salks Impfstoff einen mit abgeschwächten Lebenviren entwickelte, dessen Verabreichung auf Zuckerwürfeln schmackhaft und angstfrei machte und damit die Schluckimpfung erfand. Auch direkt in den Mund geträufelt, war eine weit verbreitete süße Methode. In großem Stil wurde sie ab 1960 in der UdSSR verabreicht, was dort schnell zu einem signifikanten Rückgang von Infektionen zu Poliomyelitis führte. Mitte der 1970er Jahre war die Welt von dieser Geißel nahezu befreit. Inzwischen gibt es jährlich weit unter 1000 Neuinfektionen. Salk starb 80jährig 1995 im kalifornischen La Jolla. Einen Nobelpreis hatte er nie erhalten.
Literatur
Smith, Jane S.: Patenting the Sun: polio and the Salk vaccine. William Morrow, New York, 1990
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