Trumps minimalinvasive Warnungen der vergangenen Wochen im Karibischen Meer vor Venezuela waren überdeutlich. Weder Venezuelas Präsident Nicolás Maduro noch ein großer Rest der Welt, darunter die EU, nahmen sie ausreichend ernst. So ist das oft. Dabei hätten alle nur zurückzublicken brauchen, etwa auf die Festsetzung und Ermordung von Pablo Escobar, Chef des kolumbianischen Medellín-Kartells, 1993; die Invasion in Panama 1989, die zur Festnahme dessen Präsident Noriega führte; oder die Festnahme der mexikanischen Narcotraficantes Raúl Salinas, dem Bruder des einstigen Präsidenten Mexikos, Carlos Salinas de Gortari, 1995, und vor nicht allzu langer Zeit, 2017, die Auslieferung von El Chapo, Chef des mexikanischen Sinaloa-Kartells, an die USA. Und als vor 30 Jahren Der Planet der Drogen von Alain Labrousse und Alain Wallon erschien, in dem die Autoren beispielsweise den Jahresumsatz mit geschmuggelten Drogen auf eine halbe Billion Dollar taxierten, nahmen das Buch bestenfalls Insider ernst und politische Entscheider höchstens zur Kenntnis.
Fünf mexikanische Präsidenten sowie etliche tausend Tote und Verschwundene später unternimmt auch der seit dem Ende der Ära Salinas de Gortari sechste Präsident, die seit 2024 amtierende Claudia Sheinbaum, wenig gegen die ihr Land beherrschenden Drogenkartelle und die Eindämmung der illegalen Migration von Süd nach Nord. Trump hatte auch ihr verdeutlicht, dass er das nicht hinnehmen werde und ihr seit seinem zweiten Amtsantritt bereits mehr als 140000 Illegale zurückgeschickt, von denen sich die meisten nun in Tapachula im Bundesstaat Chiapas und weiteren Grenzgebiet zu Guatemala aufhalten.
Sheinbaum, die der Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI) angehört, die seit Jahrzehnten mit den Kartellen in Mexiko verstrickt ist, zudem fast alle hohen Positionen im Militär, der Generalstaatsanwaltschaft und einer Vielzahl an weiteren Sicherheitsdiensten sowie in der Wirtschaft besetzt, stünde vor einer schier unlösbaren Aufgabe, wollte sie einerseits die illegale Migration in die USA stoppen, andererseits die Kartelle nachhaltig bekämpfen. Insofern könnte sie durchaus Nachbarschaftshilfe gebrauchen, doch lehnt sie sie bislang ab. Gleichwohl plädiert das mexikanische Außenministerium in einer Stellungnahme, „die Aggression“ in Venezuela zu beenden und bezieht sich dabei auf Artikel 2 der UN-Charta.

Es ist schwer vorstellbar, dass Donald Trump sich davon beeindrucken lässt. Kokain, Heroin und Fentanyl überschwemmen die USA und sorgen dort für mehrere hundertausend Tote, Elend, Beschaffungskriminalität und den Niedergang urbaner Lebensbereiche. Darüber hinaus richtet die Drogenschwemme enorme volkswirtschaftliche Schäden an, auch, weil Drogengeld in den normalen Wirtschafts- und Geldkreislauf fließt. Mit 500 Milliarden jährlich, wie vor dreißig Jahren geschätzt, kommt man heute sicherlich nicht mehr aus. Weshalb sollte Trump das hinnehmen? In seiner heutigen Pressekonferenz zur „Mission“ in Venezuela, übertragen von Fox News, richtete er sich auch an jene, die immer noch nicht verstünden, worum es ihm gehe. Natürlich um einen Regime Change. Es sei eine „Warnung an alle“. Damit ist auch Mexiko gemeint. Kümmerliche Posten auf mexikanischer Seite im endlosen Grenzgebiet zu den USA, wo das Gelände keine Zäune zulässt und auch Drohnen nichts bewirken, halten weder den Drogen- noch Menschenschmuggel auf.
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