Carlos Manzo war der 20. Politiker, der während der noch kurzen Amtszeit (sexenio) Claudia Sheinbaums am 1.11.2025 ermordet wurde. Der Kommunalpräsident und Bürgermeister von Uruapán im Bundesstaat Michoacán gehörte bis 2024 der Partei Morena an (Movimiento de Regeneración Nacional) im nationalen Parlament und vertrat als unabhängiger Bürgermeister seinen Wahlbezirk. Seitdem kam es in etlichen Großstädten des Landes zu Demonstrationen, die sich gegen den Organisierten Drogenhandel, Armut, Perspektivlosigkeit der Jugend und Präsidentin Sheinbaum richteten. Manzo vertrat eine „Null-Toleranz“-Politik gegenüber den Drogenkartellen und ihren Verbündeten innerhalb der Politik und der verzweigten Sicherheitskräfte. Zudem kritisierte er Sheinbaums Amtsführung und unzureichende Bekämpfung des Organisierten verbrechens und anderer Misstände, etwa die Bekämpfung der ländlichen Armut.
Letztere ist ein seit Jahrzehnten schwelender und immer wieder aufflammender Konfliktherd vor allem in den armen Bundesstaaten Chiapas, Michoacán, Guerrero, Oaxaca, Tabasco und anderen vernachlässigten Regionen, der sich gegen paramilitärischen Gruppen, Industrieinteressen und Drogenkartelle wendet. Trotz vielfacher Versuche ist es bislang keiner mexikanischen Regierung gelungen, beiden Dauerphänomenen mit nachhaltigen Lösungen zu begegnen. Sobald ein Gegenkandidat für ein einflussreiches Amt antritt, selbst auf Dorfebene, der substantielle Verbesserungen verspricht, riskiert er sein Leben.
Es hat Tradition in Mexiko, dass Politiker ermordet werden. Mehrere Präsidenten und Kandidaten für das Amt kamen in den ersten drei Jahrzehnten seit Beginn der Mexikanischen Revolution (1910-17) durch Attentate ums Leben. Spektakuläre Attentate fanden in den 1990er Jahren statt, als der Erzbischof Ocampo (1993), Präsidentschaftskandidat Luis Donaldo Colosio Murietta (1994) und der Generalstaatsanwalt Francisco Ruiz Massieu erschossen (1994) wurden. Immer wieder waren darüber hinaus Menschenrechtsvertreter Opfer eines Anschlags, etwa in Guerreros Hauptstadt Chilpancingo Digna Ochoa im Jahr 2000. Hinzu kamen Massenermordungen, so in Aguas Blancas (1995) und Chiapas (1997).
Mit ihrer Jahresquote von fünfzehn ermordeten Politikern wandelt Sheinbaum in den Fußstapfen ihres vor knapp 20 Jahren angetretenen Vorvorgängers Felipe Calderón (2006-12), während dessen Amtszeit 98 Politiker auf unnatürliche Weise das Zeitliche segneten. Unter Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto (2012-18) waren es 82 und unter ihrem Vorgänger Andrés Manuel López Obrador (AMLO; 2018-24) 50. Jüngst hat die Verwalterin des Todes eine Warnung von US-Präsident Trump ausgeschlagen, der ihr bei der Bekämpfung des Organisierten Verbrechens behilflich werden könnte, sollte sie keine Lösungen durchsetzen.
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