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Symbolbild: Thüringer Rostbratwurst
THÜRINGEN | DIETER ALTHAUS

Späte Einsicht

Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus hat heute seinen Rücktritt erklärt
Von HENNING APPELT |
Lesedauer ca. 2-3 Minuten |
03.09.2009

Vier Tage nach dem CDU-Wahldebakel bei der Landtagswahl in Thüringen, bei der die CDU 11,8 Prozent verlor und mit 31,2 Prozent der Stimmen nur marginal vor der zweitstärksten Kraft liegt, der Linken (27,4%), hat Dieter Althaus heute vormittag mit einer dürren Meldung seinen Rücktritt in seiner Funktion als Ministerpräsident und regionaler CDU-Chef erklärt, die einem knappen Schreiben einer außerordentlichen Kündigung gemäß der normalen Arbeitswelt in nichts nachsteht.

„Mit sofortiger Wirkung trete ich als Ministerpräsident des Freistaats Thüringen und als Landesvorsitzender der CDU Thüringens zurück“, heißt es auf Althaus‘ Webseite etwas verschwurbelt. Weitere Erklärungen, obwohl bei einer außerordentlichen Kündigung vorgeschrieben, gab er bisher nicht ab. Sechs Jahre und drei Monate war er der Chef des Bundeslandes, schien zuletzt aber deutlich an Realitätsverlust gelitten zu haben. Althaus reagierte mit seinem Rücktritt offenbar auf Forderungen sozialdemokratischer Politiker und manchen aus seiner Partei, die vor allem in Thüringen lange an ihm festgehalten hatte, auch wegen mangelnder personeller Alternativen, nachdem der sportiv risikofreudige Mann an Neujahr 2009 bei einem Ski-Unfall die Slowakin Beata Christiandl tödlich verletzt hatte und anschließend selbst monatelang in die Reha musste.

Kaum einigermaßen wieder genesen, verkündete er, als Spitzenkandidat in die Landtagswahl zu ziehen, um sein Ministerpräsidentenamt zu verteidigen. Mit den politischen Gegnern erzielten er und seine Partei Konsens darüber, den Ski-Unfall im Wahlkampf nicht zu thematisieren. Althaus allerdings war derjenige, der sich letztlich nicht daran hielt und brachte sich mit Kalkül in Form rührender Statements in den Wahlkampf ein. Diese Machtversessenheit dürfte mit dazu beigetragen haben, dass die thüringische CDU, die sich nun „überrascht“ ob des Rücktritts gibt, in der Wählergunst abstürzte und es nun nur noch zu einer Koalition mit der SPD reicht. Inwieweit auch Druck aus der Bundes-CDU auf die freistaatlerische ausgeübt wurde, ist nicht bekannt. Klar aber ist, dass Althaus einer möglichen Koalition der thüringischen CDU mit der dortigen SPD (mit 18,5% drittstärkste Kraft) im Wege stand. Offenbar wird dem Plan, die Linke von der Macht fernzuhalten, alles untergeordnet, was sich vor allem für die SPD bei den kommenden Bundestagswahlen, sollte sie in Thüringen mit der CDU koalieren, als Bumerang erweisen könnte. 

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