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Jobprofil, Dortmund, Frühjahr 2025 | Xiang Chen / GEOWIS
ARBEITSMARKT

Grüne brauchen neue Jobs

Für etliche Grüne stehen zum Jahreswechsel 2026 berufliche Neuorientierungen an. Doch gibt es überhaupt genügend Jobs für sie?
Von INA RIEMANN |
Lesedauer ca. 4 Minuten |
15.08.2025

Ihr höchstes Umfrageergebnis in Thüringen hatten die Grünen im März 2022 mit 8% (Insa). Zuvor hatten sie bei den Landtagswahlen 5,2% erreicht. Bei den Landtagswahlen 2024 waren es nur noch 3,2%, was das Verbleiben im Parlament verunmöglichte. In Sachsen-Anhalt, wo im Herbst 2026 Landtagswahlen abgehalten werden, droht der Partei das gleiche Schicksal. Ende April 2021 lag sie einer Insa-Umfrage zufolge bei 12%, die fünf Wochen später bei der Landtagswahl auf 5,9% der abgegebenen gültigen Stimmen schrumpften. In einer Umfrage vom 19. Juni 2025 ermittelte Insa einen Zustimmungswert von nur noch 3%. Stabil über der 5%-Hürde liegen sie gemäß Umfragen derzeit in zehn Bundesländern. In Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und dem Saarland krebst die Partei zwischen fünf und sechs Prozent.

Dass nach Wahlen Parteien mit verlorenen Mandaten zwangsläufig Mitarbeiter freisetzen, die sie zuvor oder nicht noch schnell auf Staatssekretärs- oder andere lukrative Jobs befördern konnten, ist Usus, seit es in Deutschland das parlamentarische System gibt. Nach der Bundestagswahl vom Februar 2025 verloren die SPD 86 Mandate, die FDP alle 92 und die Grünen 33. Mit den Abgeordnten gehen auch deren Mitarbeiter. Wahlkreisbüros werden ausgedünnt oder geschlossen. Während sich für die meisten roten Genossen Anschlussverwendungen in Leitungsfunktionen finden, exemplarisch Andrea Nahles als Chefin der Arbeitsagentur, und die Ex-Mandatsträger der einstigen Liberalen sich dank ihrer Ausbildung in eigene Kanzleien zurückkehren oder sich in fremde Sozietäten, Wirtschaftsverbände und die freie Wirtschaft begeben können, ist dies bei den Grünen nicht weit verbreitet. 

Folgen von Personalmangel, Parkbucht bei Wuppertal, A43 | Xiang Chen / GEOWIS

Allein die Bundesgeschäftsstelle der Grünen schrumpft ihre Mitarbeiterzahl von derzeit noch 150 zum Jahresende auf 120, wie gestern das in Düsseldorf erscheinende Handelsblatt berichtete. Das sind immerhin 20%. Für viele Grüne wird es – auch bundesweit eng -, wenn ihre befristeten Verträge auslaufen. Noch schwieriger, auf dem Arbeitsmarkt, zumal in der freien Wirtschaft, unterzukommen, wird es für all jene, die weder über eine abgeschlossene Berufsausbildung noch über ausreichende und brauchbare Berufserfahrung verfügen. Bei den Grünen sind das nicht wenige, ist die Partei doch bekannt dafür, Ungelernten den Berufseinstieg zu gewähren. Zwar gibt es die lukrativen Jobs nur mit einem Mandat, das vor allem die Landeslisten ermöglichen; doch auch unterhalb dieser Ebene lässt es sich aushalten, sofern nach TVöD vergütet wird.

Bei Ehrenamtlern sieht es ganz anders aus, wenn sie beizeiten nicht irgendwo antichambriert haben. So wie bei der aktuellen Bundessprecherin der Grünen Jugend. Sie verfügt über eine abgeschlossene Ausbildung und etwas Berufserfahrung im sozialen Bereich, wo allerdings lediglich in Leitungsfunktionen soviel gezahlt wird, dass es sich für Karrieristen lohnen könnte. Wer aber will eine in sämtliche eigens aufgestellte Fettnäpfchen getapste Provokateurin einstellen, deren sprachlicher Entwicklungsstand nur schwer einzuorden ist, sich aber irgendwo zwischen Integrationsklassensprech und neoinfantilem Social-Media-Deutsch bewegt, wie ihre auf ihrem TikTok-Account knapp einminütige Werbung in eigener Sache verdeutlicht?

Nietzard im TikTok-Clip zur Jobsuche | Screenshot

Ein 40-Stunden-Bürojob komme für sie nicht infrage. Sie möchte von ihren Followern wissen, wo es „voll die geilen Sachen“ gebe, von denen „man nichts“ wisse, also sie nicht. Nicht unbedingt geil, aber meist nach TVöD bezahlt, könnte ein städtisches Grünflächenamt oder eine Autobahnmeisterei sein. Dort sorgt Personalmangel nicht selten für abgelegten und liegengebliebenen Sperrmüll sowie überfüllte Abfalltonnen in Parkbuchten. Warum nicht dem theoretisch-rhetorisch trompeteten Umweltschutz gemäß des Mottos „Think global, act local“ den praktischen Teil folgen lassen? Einige ihrer Follower empfehlen ihr Tätigkeiten in der Pflege, andere raten ihr zur Küchenhilfe oder zur Kassiererin in einem Supermarkt. Spanisch zu lernen, um ein Marxistisch-Leninismus-Studium auf Kuba zu absolvieren, wird ebenso empfohlen wie Standup-Comedy.

Es gibt eine Fülle ab Jobs, wobei die meisten mit Arbeit verbunden sind. Und es gibt genügend Arbeitgeber, denen es gleichgültig ist, ob man eine Ausbildung hat oder um welche es sich handelt. Dem Dortmunder Gerüstbauer Böninger ist es sogar egal, ob man über ein gutes Zeugnis verfügt (siehe Titelbild), obwohl er Fachpersonal bevorzugt. Sprachlich aber könnte es beispielsweise für Nietzard passen.

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