Rektalismus ist ein Kunstwort, das sich bislang weder in einem Duden noch in einem anderen Wörterbuch finden lässt. Das Definiendum Rektalismus bedarf daher einer Definition, die unterschiedliche Definiens hat. Anders gesagt: die Definition bezieht sich nicht nur auf ein Sachgebiet und ist zudem nicht scharf abgrenzbar zu anderen. So lässt sich Rektalismus sozialpolitisch anwenden wie auch sozialpsychologisch und psychopathologisch. Da der Begriff noch nicht existiert oder beschrieben wurde, ist er zwar nicht als Krankheit einzustufen, aber man kann meiner Auffassung und Definition nach an ihm leiden. Meiner Einschätzung zufolge ist Rektalismus unnötigerweise weiter verbreitet, als es einer sich als demokratisch verstehenden Gesellschaft guttut.
Der sozialpolitische Rektalismus
Obwohl man unbedarft annehmen könnte, es handelte sich bei einem Begriff mit dem Suffix „-ismus“ um ein politisches Konzept wie beispielsweise beim Sozialismus oder um ein Krankheitsbild wie etwa Autismus oder um eine städtebauliche oder architektonische Schule wie zum Beispiel Brutalismus, verbergen sich hinter Rektalismus weitaus profanere Richtungen, denen fast immer soziale und politische Motive zugrundeliegen. Ein Beispiel aus der politischen Praxis sind Listenplätze und Funktionen.
Wer sich fügt, kommt voran, das heißt, er wird mit einem günstigen Platz auf den Wahllisten der Partei bedacht und im besten Fall auch mit einer politischen Funktion, einem Posten. Wer hingegen gegen den Strom zu schwimmen oder sich allzu kritisch gegen Partei- oder Fraktionsdisziplin zu äußern wagt, dem Rektalismus zu widerstehen vermag, wird nicht berücksichtigt oder auf einen aussichtslosen Listenplatz verbannt. Prinzipiell gilt das für alle Formen von Organisationen und Verbänden, die wenig Wert auf Qualifikation legen, umso mehr jedoch auf hierarchische Abgrenzungen, wobei das Prinzip besonders dort ausgeprägt ist, wo es nicht um Wertschöpfung geht, sondern die Apanagen durch Steuern finanziert werden.
Rektalismus als destruktive Kraft
Im Zusammenspiel zwischen Politik und Wirtschaft kann sich Rektalismus als ausgesprochen destruktiv erweisen. Dann nämlich, wenn Konzernlenker politischen Vorgaben nicht nur willfährig und unkritisch folgen, sondern sich auch noch als Musterschüler darzustellen vermögen. Herausragendes Beispiel ist hier der größte Teil der deutschen Automobilindustrie, als sie begann, subventionsgestützt der E-Mobilitätsdoktrin zu folgen, an deren Spitze sich der Volkswagenkonzern unter seinem einstigen Vorstandsvorsitzenden Diess setzte. Weder die Konzerne noch die von ihnen finanzierten Verbände stemmten sich im Vorfeld der Gesetzgebungen gegen irrationale politische Vorgaben, sondern folgten dem Popanz des „menschengemachten Klimawandels“, mit dem die E-Mobilität begründet wurde und wird, wie Grundschulkinder ihrer Lehrkraft. Einzig der BMW-Konzern hat sich als einigermaßen resilient erwiesen und neben einigen hochpreisigen E-Modellen an Verbrennern festgehalten und diese weiterentwickelt. Der deutschen Volkswirtschaft hat das rückgratlose Folgen der übrigen Automobilkonzerne enorm geschadet.
Psychopathologische Auswirkungen des Rektalismus
Ob man sich dem Rektalismus verpflichter fühlt oder ihm widersteht, ist eine Charaktereigenschaft, deren Grundstein wohl bereits in der Kindheit gelegt wird. Vielleicht haben Streber und Petzliesen deshalb einen so schlechten Ruf bei ihren Mitschülern. Letztere haben meiner Auffassung nach jedenfalls bessere Voraussetzungen, mündige und kritische Bürger zu werden und mit einem gesunden Rückgrat ihren Mann zu stehen als jene verhaltensauffälligen Schüler, die in der ersten Reihe sitzen und sich ständig melden. Später haben die Streber und Petzliesen beste Voraussetzungen, Denunzianten, Mitläufer, Duckmäuser, Moderatoren und Sozialwissenschaftler zu werden, und zuvor, sich ihren Professoren anzubiedern. Kaum vorstellbar, dass sie sich deren Wünschen verweigerten, während jene, die nicht alles hinnehmen, lieber das Studium schmeißen und dem Prof den Mittelfinger zeigen.
Das Bild, das Hochschulen insbesondere seit einem Vierteljahrhundert nach außen abgeben, also seit der Verschulung des Grundstudiums durch den Bologna-Prozess, der an fast allen einst renommierten deutschen Universitäten die Abschaffung der Diplomstudiengänge und eine Nivellierung der Studienqualität zur Folge hatte, darf durchaus als ein Ergebnis mangelnden Rückgrats der Hochschulleitungen und Professoralität gedeutet werden. Unter dem Deckmantel der „besseren Vergleichbarkeit“ von Studienabschlüssen innerhalb der Europäischen Union und darüber hinaus beugten sie sich politischen Ideen, die, wie sich längst zeigt, aus einer einstigen Hochtechnologiegesellschaft eine zurückgefallene, kümmerliche Sozialwissenschaftsgesellschaft hat werden lassen, die nur noch existiert, weil sie nahezu unendlich Schulden machen darf.
Pandemie als Blaupause für die Zukunft?
Was geschieht, wenn eine Bevölkerung unter massenpsychologischen Druck gerät, hat nicht erst die Covid-19-Pandemie gezeigt, sondern auch der medial getunte Hype um den autistischen schwedischen Teenager Greta Thunberg, dessen wesentliche Botschaft der Satz „Hört auf die Wissenschaft“ war. Auf welche denn? Etwa auf die, die von sich auf Modelle stützenden Prognosen unter der Leitung von Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) oder vom Heer der für das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) modellierenden Wissenschaftler verbreitet wurden (und werden)? Kritiker, deren es nicht wenige gab und gibt, wurden kaltgestellt.
Wer je daran geglaubt hat oder noch immer glaubt, der planetare Klimawandel ließe sich von einer so unbedeutenden Spezies wie dem Menschen auch nur ansatzweise stabilisieren, ist eher ein Fall für die Psychiatrie als die Forschung. Doch liebedienerisch sahen sich weltweit führende Medienhäuser und journalistische Bodentruppen dem Rektalismus im Dienst einer vermeintlich guten Sache verpflichtet und halfen mit, dass Milliarden an Steuergeldern und Sondervermögen in Green Deals verschoben wurden, die als Investitionen in Bildung und Infrastruktur besser aufgehoben gewesen wären.
Nach gleichem Muster, ebenfalls in globaler Dimension, wurde während der Covid-Pandemie vorgegangen, von der bis heute die damaligen Protagonisten bestreiten, dass ihr Ursprung ein künstlich erzeugtes Virus sei, während die unabhängige Wissenschaft und sogar US-Geheimdienste längst zu Erkenntnissen gelangt sind, die diese Protagonisten Lügen strafen. Besonders hervorgetan haben sich hierzu das Robert-Koch-Institut (RKI), an dessen Spitze ein Veterinärmediziner stand, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und die Charité, Deutschlands größtes Kankenhaus.
Wortbildungen zum Rektalismus
Abseits der Anatomie und Medizin (Rektum, rektal) böte sich als Verb rektalisieren (mit Dativ) an, das sich wie jedes „-ieren-Verb“ konjugieren ließe sowie Partizipien ermöglichte (rektalisierend, rektalisiert). Im Vorgangspassiv (rektalisiert werden) und als Zuschreibungsnomen (Rektalist/Rektalistin) bekäme es jedoch zweierlei Bedeutungsgehalt. Der Volksmund bedient sich der Einfachheit halber zwar etwas vulgärer, indem er Arschkriecherei (Rektalismus), Arschkriecher (Rektalist) und arschkriechen (rektalisieren) verwendet, bringt es aber auf den Punkt.
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