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Oxygène, 1976 (Cover-Ausschnitt)
FILM- UND MUSIKGESCHICHTE

Vater und Sohn Jarre

Maurice und Jean-Michel Jarre boten und bieten ihre künstlerische Kreativität auf unterschiedliche Weise dar. Während der eine die Filmgeschichte mitprägte, schafft es der andere seit gut 50 Jahren in der Musikgeschichte
Von JONAS LITTFERS |
Lesedauer ca. 3-5 Minuten |
02.01.2026

Maurice Jarre

Unter Cineasten zählt Maurice Jarre (1924-2009) zu den größten Filmmusikkomponisten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dessen Kompositionen dazu beitrugen, dass etliche Filme zu Welterfolgen wurden. Drei Oscars und reihenweise weitere wichtige Preise erhielt er für seine Werke und verhalf vielen Filmen zu noch mehr Auszeichnungen. Den ersten Academy Award nahm er für David Leans Eroberungsepos Lawrence von Arabien (1962) entgegen. Den zweiten und dritten für das präsowjetische Kriegs-, Revolutions- und Liebesepos nach Boris Pasternaks Roman Doktor Schiwago (1965) und das Kolonialepos Reise nach Indien (1984), beides ebenfalls Lean-Filme. Für Leans Film Ryans Tochter (1970) hatte er zwar auch den Soundtrack komponiert, jedoch keinen Oscar erhalten.

Jarre arbeitete mit vielen großen Regisseuren zusammen, mit einigen mehrfach. So mit John Huston für Der Mackintosh Mann (1973) und Der Mann, der König sein wollte (1975); mit Volker Schlöndorff für Die Blechtrommel (1979) und Die Fälschung (1981). Fünfmal auch mit Peter Weir, 1982 für das Drama Ein Jahr in der Hölle, 1985 den Thriller Der einzige Zeuge, das Öko-Aussteiger-Drama Mosquito Coast (1986), den Kultfilm Der Club der toten Dichter (1989) und das Drama Fearless (1993). Nahezu allen Filmen kam sein atmosphärisch dichter Sound zugute, der die oft langen Kameraeinstellungen von David Leans Kameraleuten und jene von Peter Weirs mehrfach engagierten Kameramann John Seale akustisch trug, Landschaften zu Leben erweckte, Spannungsbögen ausweitete und aus Stills sphärische Erlebnisse fabrizierte. Offenbar färbte das Œuvre des Vaters auf den Sohn ab.

Jean-Michel Jarre

Sein Sohn Jean-Michel brachte es allerdings lediglich auf zwei Soundtrackalben. Das erste war für Jean Chapots Kriminalfilm Die Löwin und ihr Jäger (1973), das zweite acht Jahre später gemeinsam mit Tomaso Albinoni und Queen-Gitarrist Brian May für Peter Weirs Kriegsdrama Gallipoli, in dem Oxygène vorkommt. Dennoch war er nicht minder erfolgreich als sein berühmter Vater, doch zog es ihn in die elektronische Musikepoche der 1970 Jahre, die von deutschen und japanischen Klangkünstlern wie Kraftwerk, Neu, Michael Rother, Klaus Schulze, Tangerine Dream, Can, Yellow Magic Orchestra, Ryuichi Sakamoto, den Briten Yes und Mike Oldfield geprägt wurde. Sein drittes Album Oxygène bescherte ihm 1977 einen Welterfolg, der diesen mit dem Nachfolger Equinoxe (1978), Magnetic Fields (1981) und Zoolook (1984) unterstrich und der bis heute anhält. Mit einigen Elektronikpionieren und -künstlern arbeitete er über die Jahre zusammen. So 2012 für das Projekt Electronica 1 – The Time Machine auch mit Laurie Anderson, und mit Edgar Froese von Tangerine Dream, das nach dessen Tod im Jahr 2015 veröffentlicht wurde.

Gleich sein erstes Konzert verfolgten 1979 auf der Pariser Place de la Concorde 1,5 Millionen Menschen. Immer wieder setzte er im Laufe seines frühen kreativen Schaffens außergewöhnliche Akzente, die zwar nicht zwangsläufig in eine Albenproduktion mündeten, indes Aufsehen erregten. So trat er 1986 in seiner Geburtsstadt Lyon für Papst Johannes Paul II auf. Dem Konzert samt Lichtspielen lauschten rund 800000 Menschen. Zuvor hatte die amerikanische Weltraumorganisation NASA ihn eingeladen, zum 25jährigen Bestehen des Lyndon B. Johnson Space Centers in Houston aufzuspielen. Die Explosion beim Start des Challenger Space Shuttles im Januar 1986 veranlasste ihn zunächst, das Konzert abzusagen, doch einige Astronauten und NASA-Mitarbeiter überzeugten ihn, es zu geben. Rund 1,3 Millionen Menschen vor Ort verfolgten es im April 1986.

Noch mehr Zuschauer und Zuhörer erreichte er 1990 in Paris, das im Geschäftsbezirk La Défense stattfand und die Massen, rund 2,5 Millionen, bis zum gut sechs Kilometer entfernten Arc de Triomphe begeisterte. Rund um den Globus wurde er für Konzerte zu besonderen Anlässen eingeladen. Neben seiner Musik ist es auch stets die alles in den Schatten stellende Licht- und Laser-Show, die er darbietet. Sein bislang größtes Konzert gab er 1997 vor 3,5 Millionen Anhängern an der Moskauer Staatsuniversität.

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