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Schwedische Ermittlerin Saga Norén in Bron | DR / SVT
NORDIC-NOIR-THRILLER

Endlich wieder Bron

Freunde des gehoben Serien-Thrillers und Binge watching können sich freuen: Das Morden am Öresund ist zurück
Von JONAS LITTFERS |
Lesedauer ca. 3 Minuten |
24.11.2025

Ein senffarbiger Porsche 911 S, Baujahr 1977, ein Wollmantel in ähnlicher Farbgebung, eine braune Lederhose und Stiefel sind die sichtbaren Kennzeichen der blonden Kriminalkommissarin Saga Norén, gespielt von Sofia Helin, die vom schwedischen Malmö aus grenzüberschreitend auch auf der anderen Seite der Öresundbrücke mit ihren dänischen Kollegen (Staffel 1+2: Martin Rohde, gespielt von Kim Bodnia; Staffel 3+4: Henrik Sabroe, gespielt von Thure Lindhardt) in Kopenhagen ermittelt. Mit ihr klarzukommen, ist für ihre Umwelt nicht einfach. Die Ermittlerin ist autistisch, nimmt jedes Wort für bare Münze, versteht weder Sarkasmus noch Ironie, hat ein klares, unkompliziertes wie technisches Verhältnis zu Sex, hingegen keins zur Liebe. Als Ermittlerin ist sie brillant, hat ein Elefantengedächtnis und kennt das schwedische Polizeigesetz nebst sämtlicher Dienstvorschriften so gut, als hätte sie es selbst verfasst.

Bron (Die Brücke – Transit in den Tod) wurde 2012 erstmals im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, vor zwei Jahren zur Wiederholung in der Mediathek von Arte freigegeben und ist dort nun erneut aufrufbar, inklusive einer zuvor hierzulande nicht gezeigten vierten Staffel. Insgesamt wurden 38 knapp einstündige Folgen gedreht. Jede Staffel ist fallbezogen in sich abgeschlossen. Jeder Fall ist komplex, vielschichtig mit Wendungen versehen und Folge um Folge im Stil eines Thrillers angelegt. Das kennt man als Leser und Zuschauer skandinavischer Krimis und Thriller, seit die Romane von Sjöwall/Wahlöö erschienen und erstmals Kommissar Beck über die deutschen Bildschirme flimmerte. 

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Dänischer Ermittler Henrik Sabroe | DR / SVT

Die überwiegend für den internationalen TV-Markt höchst aufwendig produzierten Nordic-Noir-Thriller und -Serien, setzen vor allem seit den Kommissarin Lund-Staffeln und dem nach Romanen von Stig Larsson gedrehten Dreiteiler Verblendung, Verachtung, Vergeltung neue Maßstäbe in der Auserzählung von Geschichten und Darstellung von menschlichen Abgründen. Es entsteht der nur schwer vermeidbare Eindruck, Skandinavien werde von relativ mehr Sozio- und Psychopathen, Mördern und Vergewaltigern, Clans mit migratorischem Hintergrund bevölkert als Kontinentaleuropa und sei dystopischer als es die ländliche Bullerbü-Romantik erahnen ließe. In Bron, aber auch in vielen anderen Nordic-Noir-Serien, wird dieser Eindruck durch die Filmmusik von Johan Söderqvist und die Vogelperspektive auf Städte und Schauplätze noch verstärkt. Die um jede Großstadt gebauten Vorstädte sind häufig von Plattenbauten geprägt, die als Petrischale für Kriminalität gelten.

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